Die Geschichte von Boltares


Dies ist die Geschichte von Boltares, Heimat der Blut- und Silberelfen, überliefert von Generation zu Generation, auf daß sie niemals vergessen werden soll…


Das erste Armarkeen...

In einer Zeit, als die Welt noch jung war - im ersten Zeitalter - führten die Mächte des Lichtes und der Dunkelheit Krieg gegeneinander. Beide wollten die Vorherrschaft über den Anderen erringen. So kam es dazu, daß sich die Völker des ersten Zeitalters entweder der einen, oder der anderen Seite anschlossen. Die Vorfahren der Blut- und Silberelfen, welche jedoch an ein Gleichgewicht zwischen Gut und Böse glaubten, lehnten den Krieg ab. Da sie sich weigerten weder für die eine noch die andere Seite zu kämpfen, wurden sie von beiden verachtet, und ihnen blieb nur das Exil. Doch wohin sollten sie gehen?

Überall war Krieg und jeder Landstrich den sie sich wählten, wurde von ihren Feinden beherrscht. Auf viele Jahrhunderte zogen sie durch die Welt, heimatlos und von ihren Feinden bedroht. Wo nur sollten sie Zuflucht und Heimat finden?
Nach vielen Jahrhunderten der Entbehrungen und Hoffnungslosigkeit wendete sich das Blatt, denn unsere Vorfahren hatten erlernt, sich den Blicken anderer Völker zu entziehen, so daß sie völlig in Vergessenheit gerieten. Zum anderen hatten die Götter ein Einsehen mit unseren Vorfahren, denn auch die Götter wußten, daß das Gleichgewicht zwischen Licht und Dunkel bewahrt werden mußte. Das Eine bedarf des Anderen zum Sein... und so machten sie ihnen das Land Boltares, im Jahre 3729 des ersten Zeitalters, zum Geschenk.

Dieses, für alle anderen Völker unerreichbare Eiland, denn der Zugang wurde nur durch ein magisches Portal gewährt, sollte unseren Vorfahren eine neue Heimstadt werden. Doch bevor sie diesen Ort des Friedens, dieses fruchtbare, von dichten Wäldern, weiten Ebenen, schneegekrönten Gipfeln und tiefblauen Seen bedeckte Land ihr Eigen nennen konnten, hielten die Götter eine erneute Prüfung bereit.

Diese sollte aus einem Kampf unserer Ahnen gegen ein Heer von Katzenmenschen (den Kadjit), Dämonen und Werwölfen, um die Vorherrschaft in Boltares, bestehen. Der Kampf wogte über Jahrzehnte hin und her. Unter großen Anstrengungen konnten die Kadjit 3852 versprengt werden, Dämonen und Werwölfe jedoch waren übermächtige Gegner. Die tapferen Bemühungen, diese zu vertreiben, schlugen fehl und Verzweiflung ergriff das Volk.

Durch die Aufopferung unserer Vorfahren für das Land Boltares, fanden die Götter Loec - der Schattentänzer und sein Weib Lecai - die Reinheit der Seele, Gefallen an ihnen, und versprachen zu helfen.
So begab es sich, daß tief im Jahre 4061 des ersten Zeitalters Sturm aufzog, und aus allen Himmelsrichtungen sammelten sich dunkle, von Blitzen durchzuckte, bedrohlich wirkende Wolken und türmten sich zu einer schwarzen Wand am Firmament...

Die Stimme Loec - des Schattentänzers - erklang, alle Donner übertönend:

"Höret meine Worte ihr Tapferen!
Ob Eures Mutes und Eurer Opferbereitschaft für Boltares und die Götter, will ich Euch helfen.
So möge die Hälfte Eures Volkes dem Einfluß der Dämonen trotzen."

Ein frischer Wind vertrieb die herrschende Finsternis... da erschien ein helles Licht.
Lecai - die Reine - wandte sich an das Volk:

"Seid gesegnet, denn auch ihr seid Kinder des Lichts!
Mit meiner göttlichen Macht, will ich Euch helfen diesen Kampf zu bestehen.
Loec - mein Gemahl - bewahrte die Hälfte Eures Volkes vor dämonischem Einfluß.
Und so will ich der anderen Hälfte Eurer Zivilisation dem Kampf gegen die Werwölfe beistehen.
Der Biß dieser Bestien, soll Euch fortan nichts anhaben können.
Gehet hin und kämpft um Boltares..."

Von neuer Hoffnung beseelt, dankten unsere Ahnen den Göttern, für diese unerwartete Gnade. Doch über all dem Jubel erschien dem Volke ein weiterer Gott...

Gott Ceyl - der Gerechte - aber sprach:

"Loec und Lecai erwiesen Euch eine göttliche Gunst...
doch mein Gottbruder Arhain verlangt hierfür ein Opfer.
Und ich Ceyl - der Hüter der Gerechtigkeit - erkenne Arhains Verlangen als rechtmäßig an.
Seid von diesem Tage an gezeichnet..."

So wuchsen Loec's Schützlingen unter unsäglichen Schmerzen Dornen aus der Haut und sie wurden fortan Blutelfen genannt. Die Kinder Lecai's aber, sollten auf immer durch silberne Haut gezeichnet sein - und so entstand das Volk der Silberelfen. Mit Hilfe ihrer neuen Fähigkeiten, gelang es den beiden neu erschaffenen Völkern, die Dämonen und Werwölfe aus Boltares zu vertreiben. Sie nahmen Boltares als ihre Heimat in Besitz und dankten den Göttern.
So endete im Jahre 4207 das ersten Armarkeen, denn so bezeichneten die Blut- und Silberelfen die Zeitalter schicksalhafter Prüfungen.


Das zweite Armarkeen...

Über viele Jahrhunderte lebten beide Völker friedvoll und glücklich. Sie errichteten ihre Hauptstadt, die "Große Stadt Sanos" und bestellten das fruchtbare Land.
Die Kasten bildeten sich heraus, und Boltares gedieh in dieser Zeit außerordentlich. Reichtum und Kunst, Wissen und Stärke wuchsen über alle Maßen. Akademien entstanden und die Künste der Magie und des Krieges wurden verfeinert. Boltares mußte seine Feinde von einst nicht mehr fürchten. Die Blut- und Silberelfen trieben Handel mit den anderen Völkern auf Boltares. Darunter mit dem Wurzelwassermeervolk, welches nur abgeschiedene Seen mit geheimen Meerzugängen sein Zuhause nannte. Von ihnen erwarben sie das kostbare weiße Meersalz im Tausch gegen Töpferwaren und Tuche. Eine weitere Kultur mit der sie Handel trieben waren die Argonier. Diese Echsenmenschen-Zivilisation hatte sich parallel zur Kultur der Boltareen entwickelt, jedoch auf einer geringeren Stufe.
Über sie war es den Boltareen möglich, an seltene Kräuter zu gelangen, mit denen die Wissenskundigen wirkungsvolle Heiltränke und Gifte herzustellen vermochten.
Aber auch dieses Zeitalter hielt für das Volk von Boltares noch eine Prüfung bereit.

Denn die Götter, die einst Boltares geschaffen hatten, gerieten in Streit. Die Mächte der Dunkelheit sandten im Jahre 4251 des zweiten Zeitalters Streitkräfte nach Boltares - erneut Kadjit, Dämonen und Werwölfe, denn ihnen mißviel, daß die Boltareen allen Göttern die gleiche Verehrung zollten. Und die Götter des Lichtes?
Nun, sie taten nichts um Boltares zu helfen, denn auch sie waren gekränkt, ob der angeblichen Geringschätzung durch die Boltareen.

Doch die Blut- und Silberelfen waren anderes als ihre Vorfahren und nach langen dunklen Jahren des Kampfes obsiegten sie anno 4697, jedoch nicht ohne große Verluste und schreckliches Leid erdulden zu müssen. Obwohl die Götter all das Unheil über Boltares brachten, wurden sie dennoch von den Boltareen nicht minder verehrt. Sie erkannten, daß ihr Handeln falsch war. So beseitigten sie die Verwüstungen des Krieges und spendeten Boltares ihren Segen. So endete das zweite Armarkeen im Jahre 4725.


Das dritte Armarkeen...

Das dritte Zeitalter begann und alles schien gut. Doch trieben dunkle Mächte im Geheimen Pläne gegen Boltares voran. Denn die Heerführer und Fürsten der dunklen Seite hatten ihre Niederlage nicht vergessen. Und obwohl die Götter versöhnt waren, betrieben andere den Untergang von Boltares.

Eine Zeit der Not und des Elends brach im Jahre 97 des dritten Zeitalters über Boltares herein, und keiner wußte wo all dies Unglück seine Ursache hatte. Verführt von den falschen Freunden verschwor sich ein hoher Magier des Landes der schwarzen Magie. Durch seine Kräfte und mit Verbündeten der Unterwelt erschuf Marlok der Mächtige, eine riesige Armee von Untoten und anderen üblen Geschöpfen. Mit dieser Streitmacht wollte er das ganze Land unter seine Herrschaft zwingen. Zu jener dunklen Zeit erschufen die weisen Priester und Magier von Boltares magische Artefakte. Diese sollten die Städte vor der drohenden Gefahr schützen.

Als die Hauptstadt Sanos angegriffen wurde, trugen die Priester im großen Tempel alle Artefakte zusammen. Mit vereinten Kräften - und der Magie der Artefakte - gelang es den Elfen, die unheiligen Truppen von Marlok zu schlagen... doch ihrem Anführer gelang die Flucht. Mehrere Monate später geschah etwas von dem keiner glaubte, daß es je eintreten würde...

In einer dunklen und nebligen Nacht - tief im Jahre 116 des dritten Zeitalters - schlich eine schwarze Gestalt in den heiligen Turm, tötete dort alle Wachen, stahl die Artefakte und verschwand durch das sich hier befindliche Portal. Am nächsten Morgen fand man die verstümmelten Leichen. Das Entsetzten war groß, also man erkannte, daß mächtige Magie die Todesursache war. Keiner der Anwesenden vermochte die Qualen und den Schrecken dieses Sterbens zu ermessen... War Marlok der Mächtige zurückgekehrt um grausame Rache an seinen Bezwingern zu nehmen?

Die von Panik ergriffenen Bürger Boltares wandten sich voller Verzweiflung, Hilfe suchend an den hohen Rat und die Weisen. Was nur war zu tun?
Die Mächtigen von Boltares zogen sich zur Beratung zurück. Nach fünf zermürbenden Tagen, traten sie vor das Volk von Boltares, um ihre Entscheidung zu verkünden...

"Bürger von Boltares, Unheil kam über unser Volk!
Aber seid hoffnungsvoll und verzweifelt nicht.
Denn ein Stern hat wohl noch Licht. Nichts - nichts ist verloren!
Der hohe Rat und die Eldorin werden eine Gefolgschaft der Tapfersten aus den Männern und Frauen von Boltares
zusammenstellen um sie auf die gefahrvolle Suche nach dem uns Genommenen zu senden."

So wurde das Jahr 117 zur Geburtsstunde der Helden, die sich anschickten ihren Auftrag ehrenhaft und voller Hingabe für Boltares - ihre Heimat - zu erfüllen...
Das dritte Armarkeen war unzweifelhaft angebrochen und keiner vermag zu sagen, wie und wann es enden wird...


Stefan