Die Sandechsen

Die Landschaft (Flora und Fauna)

 

In der südlichen Wüste, nördlich der Schwefelfelder ist die Heimat der Sandechsen. Das Auge des Betrachters blickt auf eine weite von Hitze flimmernde Sandwüste aus der sich braune trichterartige Röhren erheben. Schwefelgeruch liegt in der Luft und raubt jedem mit der Landschaft nicht vertrauten Besucher den Sauerstoff. Hin und wieder kommt man an blubbernden gelben Pfützen vorbei, deren kochend heißer Inhalt beim Platzen der Blasen in kleinen Tröpfchen auf der Haut des Unachtsamen schlimme, juckende Verbrennungen hinterlässt, die sich schwer entzünden können, wenn man sie nicht richtig behandelt.

Diese trostlose Landschaft beherbergt jedoch mehr Lebewesen, als man auf den ersten Blick annehmen mag. Etwa 40 verschiedene Arten von schlangenartigen Geschöpfen sind hier beheimatet, deren Gifte und Körpersäfte den Echsen unter anderem für die Zubereitung ihrer Essenzen dienen. Aber auch allerhand Krabbelgetier hat eine Möglichkeit gefunden, sich hier anzusiedeln.

Das größte Lebewesen der südlichen Wüste ist der Kradach, ein Insekt, das allerdings enorme Ausmaße erreicht und sich von Fleisch ernährt. Sein Körper gleicht dem eines Wurmes mit 8 Beinen und er passt seine Farbe seiner Umgebung an. Auf diese Weise ist es ihm ein leichtes Beute zu finden. Meist tarnt er sich wie eine der trichterförmigen Schwefelröhren. Nähert sich ein potenzielles Opfer bespuckt er dieses mit einer starken Säure, die das Opfer zersetzt und in Flüssignahrung verwandelt, die der Kradach mit einem langen Rüssel einsaugt. Auch seine Säure haben sich die Echsen zu Nutze gemacht und können im Bedarfsfall damit verheerende Schäden anrichten.

Pflanzen wachsen auf dem trockenen, meist schwefelhaltigen Boden nur sehr wenige. Die wichtigsten Gattungen sind die Steinsporen, die Nirxwurzelgewächse und das Steckengewächs. Die Steinsporen haben ihren Namen wegen ihres Aussehens und ihres Inhaltes bekommen. Ihr Äußeres lässt sich kaum von einem Stein unterscheiden und sie liegen direkt am Boden auf. Zieht man sie jedoch heraus, wird natürlich aufgrund des Wurzelgeflechts der Unterschied klar. In ihrem Inneren befinden sich Sporen, manche giftig, manche mitheilsamer Wirkung. Man sollte nie ein Steinsporengewächs öffnen, ohne sich über die genaue Art im Klaren zu sein.

Nirxwurzelgewächse sind an der Oberfläche kaum zu erkennen, da sie nur sehr wenig Licht benötigen. Sie sind wichtige Wasserspeicher, da ihre bis zu drei Mann langen Wurzelknollen tief aus dem Erdreich Flüssigkeit und Nährstoffe saugen können. Die Echsen haben den Umgang mit den Knollen so perfektioniert, dass sie zwei Drittel der Inhalte entnehmen können ohne die Pflanze zu beschädigen.

Auch das Steckengewächs erfüllt eine ähnliche Aufgabe bei den Sandechsen. Eigentlich ist es keine in der Wüste einheimische Pflanze. Sie wurde für die Zwecke der Sandechsen von ihren Gegenpart den Waldechsen gezüchtet als Zeichen der gemeinsamen Verbundenheit. Die Pflanze wächst schnurgerade nach oben und sieht aus, wie ein dünner Stamm ohne Äste und Blätter. Im Inneren befindet sich nach einer immer feuchten Holzschicht das so wertvolle Mark des Baumes. Es hat eine goldgelbe Farbe, ist sehr flüssig und schmeckt extrem süß. Die Holzfasern in der Nähe des Marks dienen den Echsen als eine Art Droge. Sie wirken beruhigend und werden oft mit zusätzlichen Giften versetzt um eine bewusstseinserweiternde Wirkung zu erzielen.

 

 

Die Sandechsen

 

Vor etwa 4500 Zyklen kamen Echsen als Abgesandte eines Bundes von Schamanen auf die Insel Kaefondéra um hier eine neue Heimat und ein friedlicheres Leben zu finden. Ihre alte Heimat, die Stadt Rksch, war von einer fremden Macht übernommen worden, die alte Religion wurde verboten, die Echsen fanden sich zwar in das neue Leben ein, aber es herrschte Neid, Streit und Krieg zwischen den alten Geschlechtern. Die Schamanen der alten Kulte beschlossen, dass Schiffe das Wissen um das Leben der Vorfahren sichern sollten. Acht Schamanen gaben ihr Blut mit auf den Weg und opferten somit für die sichere Überfahrt ihr Leben. Auserwählte sollten Rksch verlassen und nach den Regeln des Gleichgewichts in einer anderen Welt eine bessere Heimat finden. Von den 222 ausgeschickten Kolonisten überlebten 209 das gewagte Abenteuer und strandeten am Nschtrk, dem Tag, an dem das Große Wasser sich am weitesten von den Ufern entfernt, in einer nördlich des großen Gebirges gelegenen Bucht der Insel Kaefondéra.

Entlang des Flusses Knasch, benannt nach dem ältesten der acht Schamanen und getränkt mit dessen Blut, fanden sie ihre neue Wohnstätte. Das feucht-warme Klima der Urwälder bot ihnen zwar etwas Vertrautes, die Lebensbedingungen erforderten jedoch, sich von der ursprünglich recht hoch entwickelten Kultur zu entfernen. Anders als in ihrer alten Heimat wollten die neuen Inselbewohner nicht die gleichen Fehler machen und den Krankheiten einer zu weit entwickelten Kultur erliegen. Schnell merkten die neuen Waldbewohner jedoch, dass das Leben im Gleichgewicht nur in überschaubaren Gruppen funktionierte. So trennten sie sich und lebten fortan nicht in einer gemeinsamen großen Stadt, sondern in kleinen Stämmen. Als der Wald ihnen nicht mehr genug Platz bot, machten sich 1173 drei Stämme in den Süden des Landes auf und siedelten sich auf der südlichen Seite der Insel an um den Echsen des Nordens als Gleichgewicht gegenüberzustehen.

Ihre Wanderung endete zunächst am südlichen Ausläufer der Wolkenfänger, des von West nach Ost verlaufenden Gebirges. Die Hügelketten boten einen idealen Platz für die Erdhöhlen der Echsen und die Bucht bot reichlich Nahrung. So gründeten sie eine Siedlung um die nächste, aber immer darauf bedacht, die Größe des Volkes nicht zu sehr anwachsen zu lassen. Während die Waldechsen weiterhin ihre grüne Färbung behielten, passte sich das Schuppenkleid der Bergstämme ihrer braun-grünen Umgebung an. Teilweise begegnen einem auf der Insel immer noch Echsen, die eher eine bräunliche Zeichnung aufweisen.

Mit der Ankunft der verschiedenen Völker auf Kaefondéra veränderte sich das Leben der Echsen. Die Echsen wurden in Kriege und Streitigkeiten der Völker verwickelt und schließlich durch die Chimärenkriege fast ausgerottet. Der verbleibende Rest wanderte in den bereits beschriebenen Wüstenlandstrich ab, in der Hoffnung von den Feindseligkeiten der anderen Völker verschont zu bleiben.

Auf diese Erfahrungen geht das Misstrauen der Sandechsen auf die anderen Völker zurück. Anders als die Waldechsen, die sich ihre friedliche Gesinnung über die Zyklen bewahrt haben, nehmen die Sandechsen eher den kriegerischen Part der Gleichgewichtssicherung ein.

Mittlerweile haben sie sich ihren äußeren Begebenheiten perfekt angepasst. Ihre Zeichnung ist gelb-braun und ihre Schuppen verfügen über die Fähigkeit sich selbst mit Flüssigkeit aus dem Körperinneren zu benetzen, so dass sie selbst bei hohen Temperaturen keine Probleme haben. Sie können die Schuppen do dicht schließen, dass sie selbst gegen die äußerst aggressiven Schwefelsäuren resistent sind.

 

 

Echsen-Behausungen

 

Die Landschaft erlaubt es den Sandechsen nicht in größeren Siedlungen zu leben. Sie bewohnen miteinander unterirdisch verbundene Höhlensysteme. Die Eingänge sind gut getarnt und für das Auge des ungeübten Betrachters nicht auszumachen. Es ist gefährlich allein über die Wüste zu wandern, da die Echsen durch die Erschütterungen des Bodens den einsamen Wanderer schnell ausmachen können. So mancher Abenteurer hat den Weg zurück nie wieder beschritten.

Die Sandechsen achten streng darauf, dass sich ihre Zahl nicht über eine bestimmte Marke hinausbewegt. Gäbe es zu viele, müsste das Höhlensystem immer mehr erweitert werden und wäre deshalb schlechter zu beschützen.

Um sich vor Feinden zu schützen, haben die Echsen um ihr Wohngebiet Treibsandfallen angelegt. Deshalb ist nach dem Ende der Salzstraße unbedingt ein Führer von Nöten, will man mit den Echsen Handel treiben. Diese Treibsandfallen erreichen teilweise eine enorme Größe und können ganze Karawanen in ihr Inneres ziehen.

 

 

Geschichte und Religion

 

Das erste Siedlungsgebiet der Echsen befand sich, wie schon erwähnt,  von 1174 bis 4408 in den südlichen Ausläufern der Wolkenfänger. Mit den Eintreffen der Menschen 2389 begann sich auch das Leben der südlichen Echsen sehr zu verändern. Sie trieben Handel mit den Menschen, lebten in ihren Siedlungen und Städten, nahmen ihre Religionen an und oftmals auch ihre schlechten Eigenschaften. Die in den Siedlungen verbleibenden Echsen pflegten weiterhin regen Kontakt zu ihren Brüdern im Norden der Insel und sahen die Veränderungen mit Entsetzen, erinnerten sie sich doch an den Grund ihrer ursprünglichen Flucht auf diese einstmals einsame Insel. Während also einige Echsen in den Städten zu Reichtum, Ehre, Ruhm, aber auch zu Verderblicheren kamen, zogen sich die am Land siedelnden Echsen immer mehr in ihre Gemeinschaften zurück und beschränken sich auf den Handel.

Doch der Siedlungsdrang der benachbarten Völker machte nicht vor ihren Höhlendörfern halt. Immer wieder gab es Übergriffe auf ihr Land und nach und nach wurden sie gegenüber Zwergen, Goblins, Orks und Kender immer misstrauischer.

4405 mit Beginn der Chimäreninvasion mussten sie sich entscheiden. Entweder sie folgten weiterhin den Grundfesten ihres Glaubens und bemühten sich mit ihren Brüdern, den Waldechsen, um eine friedliche Lösung oder sie folgten dem Beispiel ihrer menschlichen Handelspartner und verteidigten ihr Gebiet bis aufs Blut. Eine Gruppe Söldner in menschlichen Diensten beeinflusste die Entscheidung. Nisch-akschar, ihr Anführer war ein einflussreicher Mann in der Menschenstadt Nefra geworden und versprach jedem Gefolgsmann einen festen Platz in einer Söldnerarmee, gesichertes Einkommen und ein Haus am Stadtrand Nefras. Geblendet von einem neuen Leben machten sich viele junge Krieger und Kriegerinnen auf um für ihr neues Leben zu kämpfen. Die meisten kamen nie zurück. Mit dem Ende der Chimärenkriege bestand das Volk der südlichen Echsen aus einer kleinen Schar meist alter oder noch sehr junger, verängstigter Mitglieder. Sie beschlossen mit den zurückkehrenden Krieger das Gebiet, in dem sie 3000 Zyklen eine Heimat fanden zu verlassen und sich weiter südlich anzusiedeln – in dem Wüstenstrich, den alle anderen Bewohner Kaefondéras mieden.

Mit diesem Jahr beginnt für die Sandechsen eine neue Zeitrechnung, auch wenn sie weiterhin nach der allgemeinen Echsenzeit zählen. Der Tag des Auszugs aus der alten Heimat, der Isskraschjad, wird jeden Zyklus mit einem großen Feuerfest begannen.

Die Sandechsen huldigten seit der Einkehr in die neue Heimat anderen Göttern als die Waldechsen. Sie verehren im Wesentlichen 5 Götter, deren Namen aufgrund der fast unmöglichen Aussprache hier nur am Rande erwähnt seien:
 

Lxsch der Gott des oberirdischen Lichtes
Nxsch der Gott der unterirdischen Dunkelheit
Pajdassasch der Gott der Gifte
Krachass der Gott des Krieges
Messash der Hüter des weißen Wassers (aus der Religion der Waldechsen)

 

Die Hauptgötter sind die Götter des oberirdischen Lichtes und der unterirdischen Dunkelheit. Der Gott der Dunkelheit schläft nach dem Glauben der Sandechsen in den Tiefen der Erde während des Tages und steigt in der Nacht erst heraus, wenn sich der Gott des Lichtes schlafen legt und dann die Lichter im Inneren ihrer Höhlen entzündet. So feiern die Echsen jeweils zur Dämmerung ein rituelles Fest zu Ehren der beiden Götter.

Der Gott der Gifte wohnt nach ihren Glauben in den verschiedenen Pflanzen und Tieren. Deshalb würden die Sandechsen niemals ein Tier ohne Erlaubnis des Gottes töten oder eine Pflanze ohne Zustimmung ernten. Der Zubereitung ihrer Mixturen muss dementsprechend auch immer der Gott beiwohnen, wenn sie erfolgreich sein sollen. So nimmt der Mischer selbst das Gift ein, um sich bei Pajdassasch für seine Großzügigkeit zu bedanken. Ebenso wird dadurch symbolisiert, dass sie ihren Gegnern nichts antun, was sie selbst nicht verkraften können. Natürlich sind die Sandechsen gegen ihre Gifte größtenteils immun und haben allerhöchstens in abgeschwächter Form mit ihren Wirkungen zu kämpfen.

Der Gott des Krieges herrscht über alle anderen Götter, sollte das Gleichgewicht der Sandechsen bedroht sein. Er wohnt in einer kleinen Tonkugel im Allerheiligsten eines Tempels, weit unter der sandigen Oberfläche der Wüste. Brechen kriegerische Handlungen aus, ist der erste Schritt der Sandechsen, dass sie das Gefäß nach einer langen Zeremonie zerbrechen und den Gott des Krieges in sich eindringen lassen. Eine wichtige Rolle spielen bei dieser Zeremonie die Blutwaschungen. Alle Krieger werden mittels eines tiefen Schnittes gezeichnet und mit einer Mischung aus verschiedenen Giften versehen. Danach trinken jeweils zwei Waffenbrüder gegenseitig aus ihren Wunden. Ihr Schicksal ist ab diesem Ritus untrennbar miteinander verbunden.

Der Glaube an das Gleichgewicht der Naturelemente ist zwar im Glauben der Sandechsen weiterhin verankert, doch haben sie zum Schutz des Gleichgewichts den Weg des Kriegers gewählt. Wird ihr internes Gleichgewicht bedroht, verteidigen sich die Sandechsen mit äußerster Härte und ohne Gnade. Der Glaube an das Volk steht über allen anderen und für jedes Mitglied ist es eine Ehre für das Wohl des Gesamtvolkes zu sterben. Die Sandechsen glauben, dass ihr vergossenes Blut in die Erde sickert und dort in neues Leben fließt. Deshalb ist es vor allem ehrenvoll als Krieger zu sterben.

 

 

Regierungsform

 

Die Sandechsen leben in kleinen Clans beieinander, wobei das nicht bedeutet, dass alle der gleichen Familie entstammen. Oftmals teilen sich Waffenbrüder eine Höhle oder auch größere Interessensgemeinschaften, wie z. B. die Händler, die einen der bedeutendsten Clans bilden, den der Mersch. In Friedenszeiten gibt es keinen Regierenden, jeder kümmert sich um seine Interessen, ohne allerdings den anderen zu schaden. Die Wüstengärtner kümmern sich um die Verpflegung, die Kriegerclans um die Verteidigung, die Händler um den Austausch der Waren und den Kauf von Gütern, die für die Echsen nicht in ihrer Heimat zu erlangen sind, usw.

Bricht Krieg aus, liegt der Oberbefehl beim derzeitigen Schamanen Krachass. Alle Bewohner beugen sich seinem Willen bis zur Beendigung des Krieges.

Da das Höhlensystem seine jetzige Größe nicht überschreiten soll, um den Schutz gewährleisten zu können, werden zum eine die Geburtenraten geregelt, zum anderen auch Mitglieder der Clans geopfert. Lebensverlängernde Maßnahmen oder spezielle Heilmethoden werden kaum angewandt, es sei denn es herrscht eine Unterbevölkerung der Höhlengänge vor.

 

 

 

Autor der Seite: Diana Schneider
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