Die Waldechsen

Die Landschaft (Flora und Fauna)

 

Die Waldechsen haben ihre Heimat vor längst vergessenen Zeiten in den nördlich der Wolkenfänger gelegenen Wäldern gefunden. Ein dichter Mischwald breitet sich von hier bis zum Gebiet der Waldelfen aus. Während am Rande der Wälder vor allem knorrige alte, aber eher in die breite austreibende Raupelrinden wachsen, die meist von dichtem und teilweise giftigem Nesselschling umrankt werden, erreichen die Baumarten in den Tiefen der Wälder immense Ausmaße. Die Heimat der Waldechsen befindet sich in den Urwäldern Kaefondéras, die seit der Einwanderung der ersten Geschöpfe mit freiem Willen, den Echsen, keine unnatürliche Veränderung erfahren haben. Unübersehbar sind die riesigen Knks-Bäume mit ihren weit ausladend wachsenden Stelzwurzelgeflechten, die ein verwobenes Tunnelgeflecht bilden. Neben diesen urwüchsigen Bäumen können nur kleinere Pflanzen überleben, da die Knks unglaubliche Wassermassen im Inneren ihrer Stämme speichern. Deshalb finden sich in ihrer Nähe viele kleinwüchsige, mit großen Blätter versehene Blumenarten. Sie filtern mit ihren dachähnlichen Blättern die letzten Lichtstrahlen aus dem Dunkel der Wälder und beziehen ihren Wasservorrat hauptsächlich über ihre kelchförmigen Blüten. Außer den Echsen und den Waldelfen kennen sich nur sehr wenige Geschöpfe Kaefondéras mit den Pflanzen dieser Wälder aus. Es empfiehlt sich nicht, selbst nach heilendem Grün zu suchen ohne die Hilfe eines erfahrenen Pflanzenkundigen aus diesen beiden Völkern.

Der Pflanzenreichtum dieser Wälder bietet auch zahlreichen seltenen Tieren ein reich ausgestattetes Zuhause. Ein unvorstellbares Gezwitscher in den lieblichsten Tönen erfüllt das Gehölz, betritt man sein tiefstes Inneres. Der Boden ist stellenweise übersäht mit den prächtigsten Federn, die Zeugnis von ihren bewundernswerten Besitzern hoch in den Wipfeln der Bäume geben. Erwähnenswert scheint der Nachtfunke, ein golden schimmernder Singvogel, dessen Federn die Eigenschaft haben, auch in der Nacht zu leuchten. Des Weiteren ist über die Grenzen der Wälder der Cirist bekannt für die heilende Wirkung seiner Eier. Diese enthalten zur Nährung der Jungen ein mit zahlreichen Essenzen aus heilenden Moosen angereichertes Serum, da sich das Cirist-Weibchen vor der Paarung bis zum Eierlegen nur von weit oben in den Bäumen wachsenden Schwämmen ernährt.

 

 

Die Waldechsen

 

Vor etwa 4500 Zyklen kamen Echsen als Abgesandte eines Bundes von Schamanen auf die Insel Kaefondéra um hier eine neue Heimat und ein friedlicheres Leben zu finden. Ihre alte Heimat, die Stadt Rksch, war von einer fremden Macht übernommen worden, die alte Religion wurde verboten, die Echsen fanden sich zwar in das neue Leben ein, aber es herrschte Neid, Streit und Krieg zwischen den alten Geschlechtern. Die Schamanen der alten Kulte beschlossen, dass Schiffe das Wissen um das Leben der Vorfahren sichern sollten. Acht Schamanen gaben ihr Blut mit auf den Weg und opferten somit für die sichere Überfahrt ihr Leben. Auserwählte sollten Rksch verlassen und nach den Regeln des Gleichgewichts in einer anderen Welt eine bessere Heimat finden. Von den 222 ausgeschickten Kolonisten überlebten 209 das gewagte Abenteuer und strandeten am Nschtrk, dem Tag, an dem das Große Wasser sich am weitesten von den Ufern entfernt, in einer nördlich des großen Gebirges gelegenen Bucht der Insel Kaefondéra.

Entlang des Flusses Knasch, benannt nach dem ältesten der acht Schamanen und getränkt mit dessen Blut, fanden sie ihre neue Wohnstätte. Das feucht-warme Klima der Urwälder bot ihnen zwar etwas Vertrautes, die Lebensbedingungen erforderten jedoch, sich von der ursprünglich recht hoch entwickelten Kultur zu entfernen. Anders als in ihrer alten Heimat wollten die neuen Inselbewohner nicht die gleichen Fehler machen und den Krankheiten einer zu weit entwickelten Kultur erliegen. Schnell merkten die neuen Waldbewohner jedoch, dass das Leben im Gleichgewicht nur in überschaubaren Gruppen funktionierte. So trennten sie sich und lebten fortan nicht in einer gemeinsamen großen Stadt, sondern in kleinen Stämmen. Als der Wald ihnen nicht mehr genug Platz bot, machten sich 1173 drei Stämme in den Süden des Landes auf und siedelten sich auf der südlichen Seite der Insel an um den Echsen des Nordens als Gleichgewicht gegenüberzustehen.

Die Waldechsen haben sich ihrer Umgebung im Laufe der Zeit immer mehr angepasst, so sind ihre Schuppen größer geworden, um ihnen im Blattwerk eine bessere Tarnung bieten zu können. Echsenfrauen weisen oftmals zusätzlich bunte Zeichnungen auf. Dies gilt als Zeichen einer von der Natur besonders Begünstigten. Diese Frauen weihen ihr Leben meist einer Naturgottheit und dienen ihrem Volk als Schamanen.

Außerdem lässt sich im Vergleich zu den Sandechsen eine Vergrößerung der Augen feststellen, da die Lichtverhältnisse in den Dunkeln der Urwälder größere Pupillen erfordern.

 

 

Echsen-Dörfer

 

Ihre Dörfer haben die Echsen in das Wurzelgeflecht der Knxs-Bäume gebaut, deshalb sind sie für das ungeschulte Auge kaum zu erkennen. Bei Gefahr flüchten sich die Waldechsen in  mit Schlingpflanzen getarnte Erdlöcher. Sollte jedoch ihr Lebensraum bedroht sein, helfen sich die Echsenkrieger mit Plattformen auf den kaum zu besteigenden Knxs-Bäumen. Mit starken Pflanzengiften, die ihre Waffen tränken und jedem Gegner nicht nur in Sekundenschnelle töten können, sondern oftmals auch schlimme Verstümmelungen hinterlassen, setzen sie Angreifer durch allerlei Wurfgeschosse außer Gefecht.

Es gibt nur wenige Führer, denen gestattet wird, sich den Echsen-Dörfern zu nähern. Oftmals handelt es sich dabei um Mischlinge zwischen Echsen und anderen Rassen. Aber auch Waldelfen sind seit ihrer Ankunft ein gern gesehenes Volk in den Tiefen des Urwalds, wo die Echsen ihr Zuhause haben. Da die Sprache für einen Außenstehenden kaum zu erlernen ist, empfiehlt es sich immer über einen der akzeptierten Waldführer mit den Echsen zu verhandeln.

 

 

Geschichte und Religion

 

Wie bereits erwähnt, folgen sowohl die Echsen des Südens als auch die Echsen des Nordens den Gesetzen des Gleichgewichts. Deshalb kann man ihre Handlungen, die ja Teil ihrer Geschichte sind, nur schwer von ihren religiösen Werten trennen. Wie dem Tag die Nacht gegenübersteht, dem Mond die Sonne, dem Himmel die Erde, dem Wasser das Feuer, so suchen die Echsen bei allen Elementen, allen Völkern, allen Pflanzen und allen weiteren Geschöpfen und deren Handlungen ein notwendiges Gegenüber. Versinnbildlicht erzählen sich die Echsen, dass die Insel Kaefondéra kippen und im großen Wasser versinken wird, sollte dieses Gleichgewicht jemals zerstört werden. Da die Echsen sich zu einem friedlichen Leben entschlossen haben, nutzten sie die Gunst der Stunde, als sich die Waldelfen um ein harmonisches Zusammenleben bemühten, und verliehen ihnen 1818 den Titel „Cassesh“, was soviel wie „Hüter des Gleichgewichts“ bedeutet.

4405 wurde das Gleichgewicht zum ersten Mal empfindlich während der Chimärenkriege gestört. Da die im Süden siedelnden Stämme schon längere Zeit von verschiedenen Völkern bedroht wurden und das Gleichgewicht der Insel nun durch den Einfall der Chimären nicht mehr haltbar schien, entschlossen sich die Echsen in den Konflikt einzutreten. Die Waldechsen waren zu der Überzeugung gelangt, dass es keinen triftigen Grund dafür gab, dass nicht auch die Chimären, mögen sie auch sehr seltsame Geschöpfe sein, ein recht darauf hätten, Teil der Inselbewohner zu werden. Doch keines der auf Kaefondéra siedelnden Völker wollte auch nur einen Zoll weichen. Alle hatten Angst und wollten die Chimären keinesfalls in direkter Nachbarschaft haben. Auch die Echsen des Südens verteidigten ihr Land und waren überzeugt, dass nur durch Waffengewalt der Konflikt zu lösen sei. Eine friedliche Lösung schien unmöglich. Die Chimären wüteten in den eroberten Landstrichen und die Völker schlugen, wo es ging, in ähnlicher Härte zurück. Entsetzt von all dem Blutvergießen zogen sich die Waldechsen zurück, um an höherer Stelle um die Wiederherstellung des Gleichgewicht zu bitten. Die folgenden zwei Jahre war das Leben der Waldechsen bestimmt durch Riten, Waschungen, Gesänge und Tänze. Die Götter zeigten sich gnädig – 4408 hatte das Blutvergießen ein Ende. Doch am anderen Ende der Insel hatte sich das Volk der Echsen des Südens für eine andere Art des Gleichgewichtserhaltes entschieden – den Krieg. Waldechsen und zukünftige Sandechsen gingen getrennte Wege.

Der Glaube an das ewige Gleichgewicht wird jedoch bis heute in allen waldechsischen Riten praktiziert. Ihre Götter sind so vielseitig und mannigfaltig wie ihre Umwelt. Stürzen Flutbäche an Regen über die Insel herein, bringen die Echsenfrauen den Göttern der Sonnenstrahlen Tänze und Gesänge dar, herrscht Trockenheit huldigen die Echsenmänner den Frauen von „Messashx“, dem Hüter des weißen Wassers. Die Echsen glauben, Messashx lebe mit seinen weißen Frauen, den Wolken, weit hinter dem östlichen Horizont. Wenn die Frauen mit ihren Liebhaber Streit haben, weigern sie sich ihn zu begleiten. Die Echsenmänner versuchen sie durch rituelle Tänze umzustimmen und sie dazu zu bewegen ihr weißes Wasser über die Erde zu ergießen.

Obwohl die Echsen ihren Glauben treu sind, tolerieren sie auch andere Glaubenskulte und zelebrieren zum Teil auch deren Feste. Um das Gleichgewicht zu sichern ist es ihrer Meinung nach notwendig, den Göttern anderer Völker mit der gleichen Ehrfurcht entgegen zu treten wie ihren eigenen. Für sie besteht zwischen den Kulten auch kein gravierender Unterschied, da ihrer Ansicht nach der verehrte Gott immer der gleiche ist, nur dass er bei den verschiedenen Völkern einen anderen Namen trägt. So ist es nicht ungewöhnlich, wenn man Mitglieder des Echsenvolkes in Ordensgemeinschaften oder anderen religiösen Gruppen findet.

 

 

Regierungsform

 

Auch bei der Führung der Stämme nimmt die Wahrung des Gleichgewichts eine entscheidende Rolle ein. So werden die Echsendörfer durch eine Versammlung regiert, die jeweils aus zwei Schamanen und zwei Kriegern, zwei älteren Stammesmitgliedern und zwei Kindern sowie zwei mit Kindern gesegneten Paaren besteht. Beiwohnen muss diesen Versammlungen auch immer ein Vertreter des Stammes, der sich in einer Art diplomatischen Dienst befindet und dessen Aufgabe es ist, den Willen und die Absichten der anderen Inselbewohner vorzutragen.

In den Versammlungen wird nicht abgestimmt, sondern nur vorgetragen. Die Entscheidung für oder gegen eine Sache beruht auf dem empfundenen Gefühl. Jeder der Versammlungsträger darf also seine Sichtweise vortragen, man kann sich dabei auch untereinander austauschen oder Fragen stellen. Am Schluss der Versammlung legt jeder seinen Standpunkt dar, während man sich dabei an den Händen hält. Nach Meinung der Echsen, fühlt das Herz die richtige Entscheidung und schickt einen Strom der Glückseligkeit. Wenn dieser Strom von allen Mitgliedern empfunden wird, gilt der Standpunkt als Beschluss und wird den anderen Stammesmitgliedern verkündet.

Auch Unstimmigkeiten werden so geregelt. Sollte sich einer der Stammesmitglieder über die Beschlüsse hinwegsetzen, schädigt er damit nach Meinung der Echsen das Gleichgewicht. Er wird gezeichnet und verbannt, bis er sich besinnt und eventuell um die Rückkehr ersucht. Die Zeichnung kann je nach Tragweite des Vergehens verschiedene Ausmaße annehmen. Die den Echsen natürliche Selbstheilung wird bei der Zeichnung durch ein Gift verhindert.

 

 

 
Autor der Seite: Diana Schneider
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