Die Zwerge

Die Landschaft

 

Durch die mittleren Regionen Kaefondéras zieht sich eine lange Gebirgskette von West nach Ost – die Wolkenfänger. Wenn die Gipfel der höchsten Spitzen zu sehen sind, entblößen sie ihre mächtigen, weißen Kuppen, die schon von weitem zu sehen sind. Das Wetter ist in dieser Region recht tückisch, wechselt es doch teilweise ohne Vorwarnung. Schon mancher Wanderer verlor durch plötzliche Stürme seinen Pfad und erfror jämmerlich. Am westlichen und östlichen Ende laufen die Berge in sanften, mit saftigem Gras bedeckten Hügelketten aus. Doch steuert man auf die Wolkenfänger von Norden oder Süden aus zu, erheben sie sich wie eine scheinbar unüberwindbare Stein- und Eisgrenze in die Höhe. Pfeift der Wind durch die Gipfel meint man fast, sie erzählten die Geschichten ihrer zahlreichen Opfer.
Bis auf wenige Sträucher, Moose, Kräuter und einige recht seltene Blumen wächst fast nichts in dieser kargen Landschaft. Dementsprechend leben auch sehr wenige Tiere, meist Vögel, in den steilen Steinklüften. Das Schmelzwasser des Gebirges, in dessen Mitte neben dem Berg Tirkat, der See Trikis liegt, speist den Fluss Tirkol, der weit in die südlichen Lande hineinreicht, dorthin, wo er auch die grünen Orks schon lange mit seinem frischen, leicht süßlich schmeckenden Wasser erfrischt. Nur ein einziger begehbarer Weg schlängelt sich durch diese ungastliche Gegend – der brennende Pass. Er ist einer der Gründe, warum es ein Volk hierher lockte, um den Bedingungen des harten Lebens zu trotzen. Ein anderer sind die reichen Vorkommen an Gold, Silber und dem „Herz der Berge“, einem Edelstein, der tief im Inneren der Berge wächst und dessen Schönheit auch das Geschmeide so manches Elfenweibes ziert.

 

 

Flora

 

Der Gipfelbusch wächst nur in sehr hoch gelegenen Regionen und ist sowohl für Herstellung von Giften geeignet als auch für heilende Zwecke zu verwenden. Für ein gutes Tauschgeschäft lassen sich Zweige dieses Busches bei den Zwergen erwerben. Das Steinkraut überwuchert weite Bereiche des tiefer gelegenen Hochlandes, ist aber leicht mit dem Dämonenkraut zu verwechseln. Manche Bewohner der Berge schwören auf sein gutes Raucharoma.
Das Steinmoos ist kaum zu erkennen, da es sich der schwarz-grauen Färbung der Felsen angepasst hat. Man kann es mit einer Klinge abschaben und trocknen. Schamanen benutzen es häufig um ihre seherischen Fähigkeiten zu unterstützen.
Disteln kommen in den tiefer gelegenen Regionen in reicher Anzahl vor. Einige eignen sich zum Färben von Stoffen, einige sollten mit äußerster Vorsicht behandelt werden.
Der Nachtschleier ist eine äußerst seltene Blume, die hauptsächlich in den Gipfelregionen wächst. Ihre heilende Wirkung kann nur genutzt werden, wenn man sie in voller Blüte bei Nacht pflückt. Die Zubereitung des Trankes muss ebenfalls vor dem Morgen erfolgen. Zu erkennen ist der Nachtschleier an seiner tief dunkelblauen Färbung, die allerdings dafür sorgt, dass man die Blume kaum bei Nacht finden kann.

 

 

Die Lermakk-Zwerge


Dies ist die Heimat der Lermakk-Zwerge, einem einstmals stolzen Kriegervolk, die sich jedoch nunmehr auf den Abbau der kostbaren Innereien der Bergwelt und auf die Kontrolle des brennenden Passes verlegt haben. Auch wenn der Weg durch die Berge unsicher, gefährlich und teuer ist, wählen die meisten Handelsreisenden, die von Süden aus in die nördlichen Regionen aufbrechen, diesen Pfad, da sie sicher sein können, nicht von braunen Orks, die das ganze Gebiet westlich der Berge beherrschen, ermordet, oder von Goblins, deren Behausungen sich entlang der Küstenstraße im Osten befinden, ausgeraubt zu werden. Der Wegzoll dieses Passes macht die Lermakks zu reichen, aber auch hochmütigen Bergbewohnern. 


 

Die Stadt der Zwerge


Ihre Stadt Nurmakk  liegt am Fuße des mächtigen Nurat, einem Berg um den sich viele seltsame Geschichten ranken. Nurmakk ist vollkommen aus dem Felsen gehauen. Terrassenförmig blicken die Fenster der Häuser aus dem Berg auf den nicht weit entfernten Vulkan Firat, dessen rotglühender Schlund die grauen Mauern der Zwergenstadt in einem immerzu flackernden Licht erscheinen lässt. Nur im Zentrum der vordersten der drei Terrassen ragt aufgetürmt aus schwarz-grauem Vulkangestein das Wahrzeichen der Stadt – der Turm des Rates. 

 

 

Der Rat


Er besteht aus vier festen Mitgliedern, die bis zu ihrem Tod den Sitz behalten und ihn dann an ihr ältestes Kind weitergeben und vier von den Lermakks gewählten männlichen Vertretern, die jeweils bis zum nächsten Ausbruch des Firat im Rat verweilen, sowie dem Los. Im Rat werden alle Entscheidungen, die das Leben der Zwerge betreffen, gefällt. Er wahrt die alten Gesetze, legt sie aus und richtet nach ihren Maßstäben. Herrscht Uneinigkeit unter den Mitgliedern entscheidet das Los. Dieses Losverfahren hat noch keiner einer anderen Rasse zu Gesicht bekommen, doch es heißt, seine Entscheidung fälle es grausam und unerbittlich.


 

Die Gesetze


Obwohl sich das Leben der Lermakks sehr verändert hat, leben sie nach den alten Gesetzen ihrer kriegerischen Vorfahren, die auf Klingen von 15 Äxten, jede Axt für eine der vornehmen Familien, verzeichnet sind, und die im Turm verwahrt werden. Bricht ein Angehöriger einer anderen Rasse ein Zwergengesetz im Gebiet der Lermakks entscheidet ein Zweikampf. Doch die Zwerge wählen nicht immer einen aus ihrer Mitte, sondern haben sich im Laufe der Zeit Söldner geholt, die diese Arbeit für sie erledigen. Jedoch dringen immer wieder Gerüchte von einer Armee gut ausgebildeter Zwergenkrieger in die tiefer gelegenen Lande. Es heißt, dass die metallenen Klänge tief im Inneren der Berge nicht nur von den Hacken und Hämmern, mit denen das Zwergenvolk das harte Gestein bearbeitet, herrühren, sondern auch der Gesang von surrenden Äxten darunter zu hören sei. Auch wenn der Reichtum ihre Lebensgewohnheiten sehr verändert hat, bleiben die Lermakks ein Volk mit rauen, kriegerischen Sitten und Gebräuchen und reagieren auf Eindringlinge sehr verärgert. 

 

 

Die Geschichte


Da die Lermakks ihre ganze Zeitrechnung den Ausbrüchen des Firat angepasst haben, ist diese recht ungenau und schwer nachvollziehbar. Aufzeichnungen oder andere Quellen aus dem Leben vor Ankunft auf Kaefondéra gibt es außer den Äxten und einigen wenigen Schmuckstücken, die in den alten Familien weitervererbt werden, nicht. Die Lermakks schreiben das Zeitalter der siebten Ruhe, befinden sich also in einer Zeitspanne, die vor dem siebten Ausbruch des Firat steht.
Da sie keine schriftlichen Aufzeichnungen über ihre Vorfahren auf die Insel mitgebracht haben, haben sie auch nach der Ankunft keine Ereignisse schriftlich festgehalten, sondern geben alles nur mündlich weiter. Die erste Zeit ihrer Ankunft auf der Insel nennen die Lermakks das „grüne Leben“, da sie ihre anfänglichen Siedlungen an den westlichen Hügeln der Wolkenfänger hatten. Im Zeitalter der ersten Ruhe häuften sich jedoch die Angriffe von braunen Orks und von Sandechsen, einer Rasse, die die Zwerge bis zu diesem Zeitpunkt noch nie zu Gesicht bekommen hatten. Blut strömte über die westlichen Hügel, sickerte tief in das Innere der Berge und der Firat spuckte das Blut der toten Krieger hoch in den Himmel. Die neue Heimat der Lermakks war geboren. Um das Andenken der gefallenen Krieger aufrecht zu erhalten, bauten sie eine mächtige Stadt mit Blick auf den blutspeienden Vulkan Firat.
Emsig gruben sich die Hacken der Lermakks in den festen Stein und förderten zu Tage, was der Berg unter sich verschloss. Sie sahen sich als die Hüter und Besitzer der Berge. Doch auch andere Völker förderten ans Licht, was tief unter dem Fels verborgen lag. Vor allem die Trolle an den Ausläufern der nordöstlichen Grenzen begannen tiefe Stollen in das Innere zu treiben. Krieg lag in der Luft. Die Lermakks wollten sich nicht ein zweites Mal geschlagen geben und machten sich bereit ihren Besitz zu verteidigen. Die alten Äxte wurden geschärft, Rüstungen geschmiedet, doch der Rat entschied sich gegen Krieg und sandte stattdessen Boten aus. Viele Zeitenwechsel kamen und gingen, bis ein Vertrag ausgehandelt wurde, der es den Trollen erlaubte in den Gängen zu graben. Was sie als Gegenleistung erbringen mussten, hat bis zum heutigen Tage die geheiligten Hallen des Turmes nie verlassen und auch die Trolle schweigen sich darüber aus.
Doch ihre Ruhe wurde ein weiteres Mal gestört. Diesmal von Reisenden aus dem Süden – Menschen. Im Zeitalter der dritten und vierten Ruhe herrschte ein reges Treiben in der Stadt Nurmakk. Verzierungen an den Häusern, Kleidungen, Waffen und Gebaruchsgegenständen zeugen immer noch von den vielfältigen Einflüssen, die verschiedenste Rassen in die prächtige Stadt brachten. Menschen und Zwerge hatten ein Freundschaftsbündnis geschlossen. Die Zwerge boten den Reisenden Schutz über den langen Weg des brennenden Passes, die Menschen versorgten sie mit allen lebensnotwendigen Dingen in dieser entbehrungsreichen Gegend.
Dieses geschäftige Treiben, das  aus Nurmakk eine reiche Handelsstadt machte, in der auch das kulturelle Leben einen neuen Mittelpunkt gefunden hatte, konnte nicht einmal das schwere Erdbeben, das die gesamte Insel erschütterte, trüben. Die Bewohner Nurmakks halfen beim Wiederaufbau zusammen. Allerdings regten sich die Stimmen der Alten, die vor der Rache der Erdgeister warnten. Das Erdbeben, so prophezeiten sie, sei nur eine Strafe für das frevelhafte und leichtfertige Leben der Lermakks, die anscheinend ihre alten Bräuche und Riten so vergessen schienen und sich lieber mit anderen Rasen abgäben, statt ihrer Sitten zu gedenken. Immer wieder kam es in der Folgezeit zu Übergriffen auf Reisende, denn im Inneren der Zwergengesellschaft begannen die Drohungen der Alten auf fruchtbaren Boden zu fallen.
Das Misstrauen gegen alles Neue gärte in den Gassen der prächtigen Handelsstadt. Mit den Menschen kamen auch dunkle Zeiten. Die Lermakks mussten feststellen, dass sich nicht alle Reisenden an ihre Gesetze hielten. Eine weitere Gefahr stellten Krankheiten dar, die sich die Reisenden in den Küstenstädten eingefangen hatten und auf dem Weg durch die Berge in Nurmakk ließen. Zwei schwere Seuchen tobten unter den Zwergen und vernichteten fast zwei Drittel ihres Volkes. Die Prophezeiungen der Alten schienen sich zu erfüllen. Der Rat beschloss im Zeitalter der fünften Ruhe die Schließung des Passes und der Stadt. Die Lermakks wurden zu Wächtern und mächtigen Kriegern, die mit aller Härte jeden Eindringling aus ihrem Gebiet vertrieben. Das einstmals geknüpfte Band zwischen Zwergen und Menschen war zerrissen, ihre Feindschaft besiegelt.
In der sechsten Ruhe begannen die Lermakks wieder mit dem Graben in den Tiefen der Berge und stießen auf den Schlüssel zum Reichtum. Um Gold, Silber und das „Herz des Berges“ zu vertreiben, mussten sie jedoch die Handelswege wieder öffnen. Die Silberstraße und der daran angrenzende brennende Pass wurde zum wichtigsten Handelsweg Kaefondéras, die Zwerge zu einem reichen, aber sehr eigenwilligen Volk, das wenig Fremde in ihrer Stadt duldet. 

 

 

Religion


Genaueres über die Götter der Lermakks ist nicht bekannt. Eine besondere Rolle spielt der Firat in ihrem Leben. Sie glauben, er spucke das Blut der toten Krieger wieder heraus als Zeichen dafür, dass ihre Zeit noch nicht gekommen war. Läuft das Blut in dicken Strömen ins Tal, fordert der Berg ein Opfer um sich zu beruhigen. Das erkaltende Blut wird schwarz und fest. In diesen Zustand wird es „Stein der Erinnerung“ genannt. Die Lermakks sind überzeugt, dass im Inneren der Steine die Erinnerungen der gefallenen Krieger erhalten bleiben. Ihre Stimmen sind es, die im Turm des Rates flüsternd ihre Entscheidungen mitteilen und die Ratsmitglieder warnen, die kriegerische Vorgeschichte zu vergessen.
Bekannt ist, dass die Lermakks die Gottheiten der Berge verehren, deren Herzen sie entreißen. Damit die Götter nicht grollen und ihren Tribut fordern, indem sie die Stollen zum Einstürzen bringen, bedarf es langen Zeremonien. Die Lermakks nehmen Kontakt zu den Gottheiten der Berge auf um ihre Einverständnis zum weiteren Abbau der Kostbarkeiten zu erhalten. Wird diese nicht erteilt ruht der Handel und das Hämmern, das durch die Schluchten der Wolkenfänger dröhnt, verstummt.

 

Stadt Nurmakk

 

Einwohner
 
3734 Zwerge; etwa 500 Bewohner aus anderen Völkern oder Durchreisende
 
Regierungsform
 
Rat mit vererbbaren und verlosten Sitzen
 
Wappen
 
Vulkan Firat auf weißem Hintergrund in der oberen, rechten Diagonale; gekreuzte Hacke und Axt auf rotem Hintergrund in der unteren, linken Diagonale
 
Bewachung
 
stark befestigte Stadtmauern, sowie wechselnde Dienste bei der Stadtwache
 
Tempel
 
im Berginneren; Verehrung von Erdgöttern; Verehrung des Vulkans Firat; Zeremonien für die gefallenen Krieger
 
Besonderheiten

 
Schwarzer Turm, erbaut aus Vulkangestein und Sitz des Rates/ Wahrzeichen der Stadt; ehemaliges Künstlerviertel mit Häusern aus verschiedenen Kulturbereichen sowie etlichen Skulpturen; Simokk-Schmiede für Waffen und Rüstungen aller Art; Kermakk-Schmiede für besonders kunstfertige Waffen und Rüstungen und Waffen aus Vulkanstein; Charmakk-Edelschiede für Geschmeide aller Art sowie den äußerst seltenen Schmuckstücken aus dem Edelstein „Herz der Berge“

 
 

Gasthäuser

 

Zum staubigen Händler

 
von einem ehemaligen Händler (Mensch) geführtes Gasthaus vor den Stadttoren Nurmakks; teure Unterkunft, aber ausgezeichnetes Essen sowie seltene Brandweine
 
Steinklause
 
günstiges, von braunen Orks geführtes Gasthaus; Umschlagplatz für Erze und Edelsteine
 
Rattenschwanz
 
Spillunke; vor allem von Spielern besucht
 
Rauchhöhe
 
direkt am Berg gelegenes Gasthaus, das vor allem von Einheimischen besucht wird; gegen alle Fremden herrscht dort eher eine misstrauische Stimmung
 
Zum Fiedler
 
Gasthaus am Rand der Stadt; gemischtes Publikum
 

 
 

Stimmung


Die Lermakks sind Fremden gegenüber grundsätzlich eher misstrauisch. Vor allem der menschlichen Rasse sind sie nicht besonders wohlgesonnen. Trolle sind seit den Handelsabkommen als Geschäftspartner gern gesehen. Doch Lermakks sind wie alle Zwerge gegen gute Tauschgeschäfte immer für eine vorübergehende Duldung zu gewinnen. 

 

 

Autor der Seite: Diana Schneider
Ansprechpartner: Ines